Ein Weißfleckwidderchen als Urlaubsgruß vom Gardasee
Heute erhielt ich einen schönen Urlaubsgruß aus Italien, genauer: vom Gardasee!
Virgola, wie zuvor schon erwähnt, schickte mir als treue Ströverblog- und -Webseiten-Leserin :-) ein Bild (zur Veröffentlichung freundlicherweise freigestellt) per Email, mit der Bitte, mal nachzuchauen, welches Tier das sein könne. Sie selbst tippte auf eine Mischung aus Libelle und Schmetterling.
Doch schauen Sie einmal selbst, kennen Sie dieses Tier?
Virgolas Vermutung war schon gar nicht mal so schlecht. Ich selbst schaute zuerst nach allen möglichen Libellenarten, Heuschrecken und Zikadenarten nach. Auch blätterte ich in einem Naturführer auf den Seiten, auf denen die Ameisen beschrieben wurden, denn es gibt durchaus fliegende Ameisen, die dem Tier auf dem Foto ähnlich sehen. Doch als ich schließlich bei den Schmetterlingen und Motten angelangt war, stieß ich schnell auf den Tagfalter namens Weißfleckwidderchen (Syntomis phegea).
Das Weißfleckwidderchen ähnelt erst einmal nur vom Äußeren her dem Widderchen, das seinen nach außen gebogenen Fühlern seinem Namen verdankt. Wie man (sicher vom letzten Streichelzoobesuch* noch) weiß, haben Widder nach außen gebogene Hörner (vgl. BELLMANN: 1999, S. 378).
Der auf dem Foto abgebildete Tagfalter lebt bevorzugt in wärmeren Gebieten, besonders häufig ist er in den Südalpen anzutreffen und in warmen lichten Wäldern. Sein leicht wirkender Schwirrflug wird durch sehr lange Vorderflügel und nur halb so lange Hinterflügel möglich. Das ist übrigens ein typisches Merkmal seiner Familie der Scheinwidderchen (Syntomidae). Nur zwei Arten dieser Scheinwidderchen kommen, so Dr. Bellmann, auch in Deutschland vor. Und interessant - und für mich erst mal rätselhaft - ist auch der Hinweis von Dr. Bellmann, dass die Raupe des Weißfleckwidderchens offenbar mit Vorliebe welke Pflanzen frisst (vgl. BELLMANN: 1999, S. 378). Ob das daran liegt, dass die welken Pflanzen leichter zu fressen und zu verdauen sind, ist nur eine wilde Spekulation von mir. Auf jeden Fall ist dieser Tagfalter ein schönes Insekt, das dank des Klimawandels bestimmt schnell auch hierzulande heimisch werden wird. Immerhin sind viele Tierwanderungen und Pflanzenverschiebungen in Richtung Norden, u. a. auch am Beispiel des Schakals beschrieben und verzeichnet worden.
Nocheinmal einen Dank an Virgola für das Bildmaterial,
Gruß,
Silvio Ströver
*Liebe Eltern! Bitte begleiten Sie Ihr Kind frühzeitig in den Zoo oder Tierpark!
Heiko Bellmann: Der neue Kosmos-Insektenführer. Über 1400 Fotos. Extra: Die wichtigsten Spinnentiere. (Kosmos Naturführer)
Stuttgart: Kosmos Verlag, 1999, S. 378 - 379.
![Validate my RSS feed [Valid RSS]](valid-rss.png)